Historie

Die Geschichte der Bergstedter Feuerwehr

In Bergstedt war früher, wie in der ganzen holsteinischen Geest, der Hufen, das norddeutsche Fachhallenhaus, die übliche Bauform der großen Bauernhöfe. Im Flett hatte es den offenen Herd, auf dem gekocht wurde und der das Haus wärmte. Am Abend wurde die Herdglut mit Asche bedeckt, damit sie morgens wieder angefacht werden konnte. Ein kräftiger Sturm in der Nacht konnte das Feuer wieder entfachen, die Funken aus dem Schornstein treiben und schon brannte das Strohdach des Hauses. Aber auch der unachtsame Umgang mit offenem Feuer, den Leuchtern und Laternen sowie der Glut aus der Tabakspfeife haben manchen Brand verursacht. Gelegentlich gab es auch absichtliche Brandstiftungen. Letzteres wird häufig aus der Zeit um die achtzehnte Jahrhundertwende berichtet. Bergstedt wurde damals in der Umgebung scherzhaft auch „Brennstedt“ genannt!

Alle Einwohner eines Ortes waren ursprünglich zur Brandbekämpfung verpflichtet und durch entsprechende Vorschriften wurde versucht, die Brandgefahr im Ort einzudämmen. In Bergstedt wurde um 1760, also vor über 250 Jahren, eine große Feuerspritze für die nachbarschaftliche Hilfe angeschafft. Diese Spritze wurde im ganzen Kirchspiel Bergstedt eingesetzt, das damals noch von Wilstedt im Norden bis Bramfeld im Süden und von Glashütte im Westen bis Timmerhorn im Osten reichte. 1805, also immer noch vor gut 210 Jahren, wurde noch eine kleine Handdruckspritze in Bergstedt in Betrieb genommen. 1881 gab es zwei Neuerungen im Bergstedter Feuerlöschwesen. Das Spritzenhaus am Bergstedter Markt wurde gebaut und speziell für den Ort Bergstedt wurde eine Handdruckspritze angeschafft. Es wurde auch versucht eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen, was aber mangels entsprechender Mitgliedermeldungen misslang. Die Gemeinde setzte daher eine Mannschaft als Pflichtfeuerwehr ein.

Am 1. April 1885 wurde die Freiwillige Feuerwehr Bergstedt gegründet. Mussten bis zu diesem Tag noch alle Bürger bei einem Brand helfen, so waren jetzt die Mitglieder der Feuerwehr für die Brandbekämpfung zuständig. An der Spitze der Feuerwehr stand der Feuerwehrhauptmann. Damit seine Mannschaft das Feuer wirksam bekämpfen konnte, hielt er regelmäßig Löschübungen ab. Zur Gründung der Feuerwehr wurde eine große Handdruckspritze mit Windkessel angeschafft. Der erste Feuerwehrhauptmann in Bergstedt war der Hufner August Kraemer. Sein ehemaliges Hofgebäude befindes sich noch heute am Bergstedter Markt 3. Wenn auch nicht mehr viele Unterlagen der Feuerwehr vorhanden sind, kennen wir doch alle siebzehn Wehrführer, die die Freiwillige Feuerwehr Bergstedt seit 1885 geleitet haben bzw. bis heute leiten:

1. August Kraemer Hufner
2. Ernst Grimm Gärtnermeister
3. Rudolf Ahrens Schlachtermeister
4. Heinrich Ahren Schlachtermeister
5. Alphons Müller Kohlenhändler und Bürgermeister
6. Julius Cordes Kohlenhändler
7. Otto Rose Gastwirt
8. Robert Hillmer Schmiedemeister
9. Ernst Brandt Bäckermeister
10. Paul Bohnhoff Landwirt
11. Egon Brandt Kaufmännischer Angestellter
12. Jens Zeyn-Kranz Diplom-Ingenieur
13. Gerd Grodd Diplom-Ingenieur
14. Holger Sohst Expedient
15. Jörg Sievers Bankkaufmann
16. Ralph Herrmann Kaufmännischer Angestellter
17. Fabian Keller Diplom-Ingenieur

 

Wenn man die alten Mitgliederlisten der Bergstedter Feuerwehr durchgeht, findet man lauter noch immer im Stadtteil bekannte Namen. Neben denen der Wehrführer sind das u. a: Dunker, Eggert, Faasch, Griem, Grimm, Meyer, Reimers, Rehders, Siemers, Schwabel, Wecker, Feddern, Wagner, Timmermann, Köster. Ursprünglich hatte die Feuerwehr etwa 40 Mitglieder und sie bildete mit den Wehren in Hoisbüttel und Bünningstedt zusammen die Amtswehr. Nach den alten Unterlagen gab es einen von Pferden gezogenen Mannschaftswagen sowie eine ebenfalls von Pferden gezogene Handdruckspritze, mit denen die Feuerwehr löschen musste. Damals gab es keine Berufsfeuerwehr, die bei großen Bränden zu Hilfe kommen konnte und mit den Feuerwehren der Nachbarschaft gab es immer wieder Verhandlungen über nachbarliche Feuerlöschhilfe, die aber zu keinem Abschluss führten. Der Mannschaftswagen und die Spritze wurden von dem von der Gemeinde zum Spanndienst bestellten Bauern zur Brandstelle gefahren. Alle vier Wochen wurde der Spanndienst neu bestellt. Am meisten wurde der Spanndienst vom Fuhrmann E. Dwenger ausgeführt, der sehr nahe am Spritzenhaus wohnte. Bei jedem Einsatz gab es für den Spanndienst eine Entschädigung von der Gemeinde.

Das alte Spritzenhaus am Bergstedter Markt wurde 1922 umgebaut und erweitert. Damals wurde auch der Schlauchturm über dem Gebäude errichtet. Später musste mehrfach das Einfahrtstor erweitert werden.

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Das alte Feuerwehrhaus am Bergstedter Markt

Im Jahre 1923 wurde ein Kreisfeuerwehrfest des Kreises Stormarn in Bergstedt abgehalten. Es wurde auf sechs Sälen getanzt, unter anderem in den Scheunen von Paul Bohnhoff und Ernst Gayk. Damals hatte die Feuerwehr noch eine eigene Kapelle, die zuerst von Wilhelm Dunker sen. und dann von Willy Dunker jun. geleitet wurde

Mit der Eingemeindung Bergstedts nach Hamburg wurde nach 1937 auch die Feuerwehr neu strukturiert. Die Bergstedter Wehr bekam ein Motorfahrzeug und ein Löschzugführer. Mit achtzehn Mann bildete die Freiwillige Löschgruppe Bergstedt zusammen mit den Löschgruppen Volksdorf, Wensenbalken, Lemsahl-Mellingstedt, Duvenstedt, Wohldorf und Ohlstedt den Bereich Walddörfer.

1939 wurden Handfeuerlöscher beschafft zur „Schaffung eines Radfahrer-Stosstrupps, der mit Handfeuerlöschern ausgerüstet werden soll. Diese Stosstrupps können bei schnellstem Einsatz ein im Entstehen begriffenes Feuer ablöschen oder niederhalten, bis stärkere Abwehrkräfte eingetroffen sind.“ Das erste motorisierte Feuerwehrfahrzeug in Bergstedt war ein offener Wagen für die Mannschaft und die Leitern, der einen Anhänger TSA 8 zog. Dieses Fahrzeug wurde aber bald durch ein geschlossenes Löschfahrzeug ersetzt. In der Zeit von 1939 bis 1945 wurde der Dienst von den nicht eingezogenen Feuerwehrleuten und den Mitgliedern der Jugendfeuerwehr versehen. Bei Fliegeralarm wurde das Feuerwehrfahrzeug zur Bäckerei gefahren. Dort war das Alarmlokal und von dort konnten die Einsätze dann schneller erfolgen.

Es fanden sich auch lustige Dinge in den alten Unterlagen. So schreibt der Amtsvorsteher an die Gemeindeverwaltung: „Die Freiwillige Feuerwehr hat kürzlich 27 Stahlhelme und 27 Mützen geordert. Der Brandmeister hat sich bei der Bestellabgabe dieser Zahl selbst vergessen. Es wird nun noch notwendig, die Bestellung eines Stahlhelms und einer Brandmeistermütze vorzunehmen.“

1965 bekam Bergstedt ein neues Löschfahrzeug, womit das alte aus dem Jahre 1942 ausgemustert werden konnte, Dieses alte Fahrzeug soll zum Schluss sagenhafte Mengen an Sprit verbraucht haben. Das neue Fahrzeug passte aber nicht in das Spritzenhaus, das Tor war zu klein. Die Feuerwehrmänner machten sich an die Arbeit und bald war das Tor erweitert, jedoch half das nicht; denn es fehlte noch etwas in der Höhe. So musste dieses Fahrzeug gegen ein niedrigeres aus Sasel eingetauscht werden. Dieses passte aber auch nur dann in das kleine Spritzenhaus, wenn der Wassertank gefüllt war und damit das Fahrzeug runterdrückte. Es gab damals schon eine Gasheizung im Spritzenhaus, die dafür sorgte, dass das Fahrzeug jederzeit einsatzbereit war. Vorher musste in kalten Nächten und an kalten Tagen alle paar Stunden das alte Fahrzeug gestartet werden, damit es im Notfall ansprang.

1960 feierte die Feuerwehr ihr 75jähriges Jubiläum mit einem großen Umzug mit historischen Pferde-Feuerwehrwagen und vielen Festwagen. Natürlich gab es auch wieder ein großes Tanzvergnügen, das an die alte Tradition der Bergstedter Jahrmärkte anknüpfte.

Seit 1972 wird der erweiterte Katastrophenschutz von der Freiwilligen Feuerwehr Hamburg mit übernommen, wodurch auch die Bergstedter Feuerwehr wieder auf eine Stärke von 30 Mann angewachsen ist.

In dem alten Spritzenhaus gab es keinen Unterrichtsraum und keine sanitären Einrichtungen, aber es musste trotzdem unterrichtet werden. Die Feuerwehr behalf sich mit Pinsel und Farbe. Abstechend zur übrigen Bemalung bezeichnete ein Viereck an der Decke den „Mannschaftsraum“. Als Toiletten mussten die umliegenden Bäume herhalten. Es gab auch Ärger mit der vorgesetzten Stelle, da für den Unterricht mehr geheizt werden musste, was zu höherem Gasverbrauch führte. Da es keinen Unterrichtsraum gab, durfte im Spritzenhaus die Temperatur auch nur fünf bis acht Grad betragen. Diese schwierigen Zeiten fanden dann glücklich mit dem Neubau des Feuerwehrhauses in der Rodenbeker Straße ihr Ende. 1975 konnte die Freiwillige Feuerwehr Bergstedt in ihr neues Haus einziehen, das Platz für zwei Fahrzeuge, einen Unterrichtsraum, eine Küche und die notwendigen sanitären Einrichtungen hat.

Im Jahr 1985 wurde das 100jährige Jubiläum mit einem großen, sich dieses Mal sogar über drei Tage erstreckendem Festprogramm begangen. Auch hier war alles von einer Fahrzeugsternfahrt, mehreren Schauübungen, einer Disco bis hin zum Großen Festball im feierlichen Rahmen enthalten.

Die Freiwillige Feuerwehr Bergstedt heute

Die Freiwillige Feuerwehr Bergstedt bietet heute natürlich ein wesentlich anderes Bild als das zuvor gezeichnete. So sind wir zwar nach wie vor noch in unserem Feuerwehrhaus in der Rodenbeker Straße 30 untergebracht, jedoch ist inzwischen die Fahrzeugausstattung mit einem modernen Hilfeleistungs- und Löschfahrzeug, dem sog. LF 16/12, und einem LF 16/KatS hervorragend (näheres siehe „Technik – Fahrzeuge„).

Personell gliedert sich die FF Bergstedt in drei Abteilungen: die Einsatzabteilung, die Jugendfeuerwehr und die Ehrenabteilung. Unsere Einsatzabteilung ist Tag und Nacht für die Bürger Bergstedts einsatzbereit. Der Ehrenabteilung gehören Kameraden an, die entweder das 60. Lebensjahr vollendet haben oder aus besonderen gründen aus dem aktiven Feuerwehrdienst ausscheiden mussten oder wollten. Mit der Jugendfeuerwehr erhoffen wir uns, den Nachwuchs für die Einsatzabteilung an die Freiwillige Feuerwehr heranzuführen.

Die Alarmierung erfolgt auch nicht mehr wie 1885 mit Feuerhorn und Kirchenglocken, sondern durch digitale Funkmeldeempfänger (DME), die vom rechnergestützten Einsatzleitsystem der Feuerwehreinsatzzentrale (FEZ) ausgelöst werden (näheres siehe „Technik – Alarmierung„).

Die Ausbildung erfolgt heute nicht mehr nur wehrintern, sondern mit dem Grundausbildungslehrgang (GAL) auf Bereichsebene (näheres siehe unter „Organisation„) oder an der Landesfeuerwehrschule in Hamburg. Ausgebildet werden die jungen Feuerwehrmänner und -frauen, aber auch die älteren zur Auffrischung, z.B. im Bereich des Brandschutzes, der Technischen Hilfeleistung und des Sanitätswesens. Darüber hinaus sind verschiedene Lehrgänge unter anderem zum Kraftfahrer, Maschinisten, Sprechfunker, Atemschutzgeräteträger, Gruppenführer, Zugführer oder Bereichsausbilder möglich.

Diese umfangreiche Ausbildungspalette zeigt, auf welcher Bandbreite die heutige Feuerwehrarbeit stattfindet. War die Feuerwehr 1885 eine reine Einrichtung zur Brandbekämpfung, so ist sie heute eine Institution, die bei allen technischen Notlagen eingesetzt wird.

Auch heute ist die Einsatzbelastung unserer Wehr im „Tagesgeschäft“ nicht sehr stark, da es sich in Bergstedt um ein Wohngebiet mit wenig Gewerbe oder gar Industrie handelt (näheres siehe unter „Einsatzgebiet„). Diese Einsätze erledigen wir im Alleineinsatz oder in Zusammenarbeit mit den Kameradinnen und Kameraden der Berufsfeuerwehr. Dennoch hat die FF Bergstedt nach den Bombennächten des 2. Weltkrieges auch spektakuläre Einsätze gehabt. So war die Wehr, wie wohl alle anderen Hamburger Feuerwehren auch, bei den Flutkatastrophen 1962 und 1976 sowie beim Elbhochwasser 2002 und 2013 eingesetzt. Teile unserer Wehr gehörten zu dem Hamburger Aufgebot bei den Niedersächsischen Waldbränden 1975. Noch zu erwähnen bleiben Einsätze bei Großbränden im Hamburger Stadtgebiet wie bspw. bei den Phönix-Gummiwerken in Harburg oder der Nussfabrik Meiendorf. Die oben erwähnte und damals noch nicht funktionierende „Nachbarschaftshilfe“ klappt heute also wesentlich besser. So kann auf Entscheidung der Feuerwehreinsatzleitung praktisch jede Wehr bei Bedarf an Einsatzstellen des gesamten Hamburger Stadtgebietes oder auch darüber hinaus eingesetzt werden.

Weitere Informationen zur gegenwärtigen feuerwehrtechnischen Arbeit der FF Bergstedt können in der Rubrik „Über uns“ unter den Stichworten „Aufgaben„, „Einsatzgebiet“ und „Organisation“ entnommen werden. Wissenswertes über das sonstige Engagement der FF Bergstedt in ihrem Stadtteil finden Sie in der Rubrik „Aktuelles“ mit genauen Informationen z. B. über das alljährliche große Osterfeuer und der Bunten Meile mit Stadtteilflohmarkt. Unter „Aktuelles – Berichte“ lesen Sie gerne unsere Berichte zu Neuigkeiten und Aktivitäten.

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